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Das Jurastudium und seine Organisation

Inhaltsverzeichnis

  1.  Ist Jura etwas für mich? - "Es kommt darauf an"
  2. Was erwartet Euch im ersten Semester
  3. Lernen zu lernen
  4. Richtiges Notizenmachen
  5. Vorziehen
  6. Mündliche Prüfung - Vorbereitung
  7. Achtung: Seminar!
  8. Notfall-Plan: Fit für Klausuren in einer Woche!
  9. Freischuss
  10. Abschichten

Ist Jura etwas für mich? – „Es kommt darauf an“

„Wie kommt es, dass Du Jura studieren möchtest? Ist das nicht voll trocken?“
So oder so ähnlich wird reagiert, wenn man mitteilt, was man später eventuell studieren würde, nämlich Jura. Doch diejenigen, die so etwas behaupten und solche Fragen stellen, wissen meist nicht sehr viel von dem Fach. Wenn man sich diese Frage ernsthaft stellt „Ist Jura etwas für mich?“, dann muss man vor allem erst einmal alle Vorurteile beiseite schieben.

 

 

Voraussetzungen

 

Zuallererst: Das Jurastudium hat nichts, aber auch rein gar nichts mit den Noten in der Schule gemein. Die besten Schüler können die schlechtesten Jurastudenten sein und umgekehrt. Die Karten werden in diesem Studium ganz neu gemischt. Es gibt zwar (in den meisten Unis) einen numerus clausus, dieser ist aber nicht unüberwindbar. Parallelen werden zwar oft zwischen einer guten Mathematik- und Deutschnote gezogen, im Grunde können wir das aber nicht bestätigen. Jura setzt sich vielmehr aus einer logischen und sachlichen Denkweise sowie einem guten Sprachempfinden zusammen.
Jura ist ein Studium, das man mit 600 Kommilitonen anfängt und mit 300 (wenn es hoch kommt) beendet. Viele brechen ab, weil es dann „doch nicht das richtige war“. Das sind dann aber meistens diejenigen, die Jura studieren, „weil sie erst einmal nur schauen wollten“ oder es „für Medizin nicht gereicht hat“. Anders als in anderen Studienfächern, braucht man kein Berufsziel vor Augen zu haben. Jura sollte man aber wollen oder wenigstens ernsthaft in Betracht ziehen. Es darf vor allem kein Ersatz für irgendein anderes Studienfach sein, mit dem es nicht geklappt hat, denn dann steht nicht das nötige Herzblut dahinter.

 

 

Was erwartet mich?

 

Es wird sich schnell herausstellen: Jura ist nicht einfach nur ein Fach, sondern eine Art zu denken. Nach einer gewissen Zeit wird man Texte sehr gut analysieren können und dabei IMMER das „Problem“ finden (Juristen kommen aus jedem Handyvertrag raus). Man lernt Schwerpunkte zu setzen und sich kurz und prägnant auszudrücken. Irgendwann fängt man an, sich ganz verrückte Dinge zu fragen, wie zum Bespiel, wenn man in einem Restaurant sitzt und lange auf seine Rechnung wartet: Wie lange muss ich warten? Und kann man, irgendwann ohne zu zahlen, einfach gehen? Die eigene Sprache wird sich nach und nach verändern. Es finden Vokabeln in den Wortschatz Einzug, über die andere nur verwundert den Kopf schütteln oder die Augen verdrehen. Klare Antworten wird es nicht mehr geben: In Jura „kommt es immer darauf an“.
In Jura gibt es nämlich zu grundsätzlich fast allem mehrere verschiedene Meinungen und (gefühlt) hunderte Definitionen. So muss man sich ernsthaft fragen, was Kunst (und somit nach Art. 5 III 1 GG geschützt) ist. Oder ob die Fingerkuppe des kleinen Fingers oder eine Niere ein „Körperglied“ ist.
Dies diskutiert man in sogenannten Gutachten. In Jura schreibt man vor allem sehr viel. Gutachten sind zeitintensiv und seeeeehr durchstrukturiert. Man muss immer darauf achten, dass man niemals das Ergebnis an den Anfang stellt, sondern ans Ende. [Ein Beispiel findet ihr hier.]
Damit man das Gutachten auch füllen kann, muss man vor allem Definitionen auswendig lernen. Jura ist ein lernintensives Studium und eines das viel Disziplin erfordert. Entgegen der allgemeinen Auffassung lernt man aber KEINE Gesetze auswendig. Diese trägt man täglich mit sich, was vor allem den sportlichen Teil des Jurastudiums ausmacht. Man lernt nicht nur für die eine Klausur und kann das alles dann wieder „vergessen“: Hier lernt man für das Staatsexamen ganz zum Schluss und gerne – was empfehlenswert ist – auch für das zweite. Deswegen zählt es auch zur Regelstudienzeit, dass man sich vor dem Examen ein Jahr lang zum „Repetitor“ begibt und dort nochmal das ganze Studium im Schnelldurchlauf wiederholt und günstigerweise im Gedächtnis behält.
Das ganze Wissen erwirbt man durch Lesen. Ist ein Comic das höchste der Gefühle, raten wir von einem Jurastudium ab. (Auch die Fernsehzeitschrift zählt nicht.) Lehrbücher, Aufsätze, Kommentare, Fallbücher, Skripte… Die fachliche Literatur ist ein fast unüberschaubarer Ozean. Empfehlungen bekommt ihr aber durch die Profs und auch die älteren Semester (Erstsemesterwoche) und natürlich hier.

 

 

Was kriege ich?

 

Wenn Ihr bisher noch nicht abgeschreckt wurdet: Jura ist eines der besten Studienfächer, das man wählen kann. Und wir sprechen nicht nur von den Jobchancen, die man später durch ein Jurastudium hat. Heutzutage sucht JEDER Juristen, nicht nur wegen der juristischen Kenntnisse, sondern vor allem weil die Juristen ein sehr gutes Empfinden für die Sprache haben. In vielen Studienfächern gibt es mittlerweile Jura-Vorlesungen.
Jura ist niemals trocken und spröde. (Natürlich gibt es Durststrecken, aber wo gibt es die nicht?) Jura ist nicht wirklich schwer, wenn man es will und es interessant findet. (Für uns wäre ein Physik-/Chemiestudium schwer…) Jura ist auf keinen Fall einseitig und eintönig. Das Jurastudium ist sehr abwechslungsreich, was man allein anhand der Bandbreite der Fächer sieht: Grundrechte, Strafrecht-Delikte gegen die Person, Strafrecht – Delikte gegen das Vermögen, Schuldrecht, Verwaltungsrecht, Europarecht, Kommunalrecht, Baurecht, Rechtssoziologie, Verfassungsgeschichte, Handelsrecht, Familienrecht, Erbrecht, Mietrecht… und so weiter und so fort. So ist auch die Anwendbarkeit des Rechts (und somit die Falllösung) abhängig von einem guten Allgemeinwissen und Überblick über das Tagesgeschehen.
An den oben erwähnten Meinungsstreitigkeiten gibt es übrigens auch etwas positives: In Jura kann man grundsätzlich die Meinung vertreten, die einem gefällt! Voraussetzung ist natürlich eine gute Begründung!

 

Nicht zuletzt: Juristen feiern die besten Partys!

 

 

Fazit

 

Ganz im Ernst: Ist man diszipliniert und hat Interesse an einem Jurastudium? Dann sollte man es auf jeden Fall machen! Das sind die besten Voraussetzungen, die es gibt, um so ein Studium anzufangen. Wir wollen jetzt nicht darüber täuschen, dass das Jurastudium nicht schwer ist. Es ist auch schon aufgrund dieser Vielfalt und aufgrund der schwierigen Gesetzestexte eines der anspruchsvollsten Studienfächer, die es gibt.
Man merkt sehr schnell, ob es was für einen ist oder nicht.

 

Und im Zweifel: Was ist schon ein Semester? (Auch für BAföG ist ein Semester nicht schlimm.)

Was erwartet Euch im ersten Semester?

Das erste Semester ist voller erster neuer Eindrücke und zwar nicht nur wegen des von Euch gewählten Fachs (die wenigsten von Euch wissen, auf was sie sich eingelassen haben, indem sie sich für Jura entschieden haben). Die Uni muss erkundet werden, das Mensaessen getestet und neue Freundschaften müssen geschlossen werden.

 

Um Euch wenigstens ein bisschen die Angst vor dem Studium zu nehmen, wollen wir Euch kurz mitteilen, was das erste Semester fachlich/didaktisch zu bieten hat.

Zunächst wollen wir klarstellen, dass Uni und Schule zwei grundverschiedene Sachen sind. Jura ist ein Fach, das komplette Selbstständigkeit fordert. Niemand erstellt Euch einen Stundenplan. Den stellt Ihr Euch – natürlich mit Hinweisen durch die O-Woche – selber zusammen. Vorlesungen sind grundsätzlich freiwillig und keiner motiviert Euch durch unangekündigte Tests und Klassenarbeiten zum Lernen.
In Vorlesungen habt Ihr zumeist einen Professor vor Euch, der Euch die ganze Theorie des jeweiligen Rechtsgebietes erklärt. Sehr selten (und mit etwas Pech) kann es darauf hinauslaufen, dass Euer Dozent vor Euch steht und Euch gefühlt seine Stunde„vorliest“. Eine Vorlesung kann aber auch wie eine normale Unterrichtsstunde ablaufen, inklusive Handmeldungen von Mitstudierenden und Diskussionen.

Nicht direkt zu den Hauptfächern gehörend, aber ebenfalls durch Vorlesung vermittelt, sind die Grundlagenfächer. Grundlagenfächer machen aus unserem Fach, der Rechtswissenschaft, erst eine Wissenschaft (behaupten manche Professoren).

Eine weitere Veranstaltungsart sind Tutorials oder Übungs-/Arbeitsgruppen. Diese sind besonders wichtig. Hier wendet Ihr endlich mal das Wissen an, dass Euch der Dozent in der Theorie ausführlichst in der Vorlesung vermittelt hat und Ihr im Lehrbuch nachbereitet habt. In Tutorials habt Ihr meistens einen Studenten aus einem höheren Semester vor Euch stehen und/oder Mitarbeiter von Lehrstühlen, die bereits das erste Examen haben/an ihrer Promotion arbeiten. Selten werden auch Externe (Rechtsanwälte) eingesetzt. Die Hauptaufgabe der Übungsgruppen besteht darin, dass dort Fälle gelöst werden und zwar im Gutachtenstil, damit Ihr in den Abschlussklausuren auch alles beherrscht und diese lösen könnt.

Später werdet Ihr dann noch Seminare kennenlernen.

Seminare sind Veranstaltungen, in denen Ihr Euch anhand von Vorträgen in spezielle und/oder aktuelle Materien einarbeitet und diese diskutiert.

 

Die drei ersten Vorlesungen, die Ihr besuchen werdet sind: BGB Allgemeiner Teil (Zivilrecht), Strafrecht Allgemeiner Teil (Strafrecht) und Staatsorganisationsrecht (Öffentliches Recht).

Im Zivilrecht geht es um die Grundprinzipien wie z.B.: Was ist ein Vertrag? Wer kann Verträge wirksam schließen? Was mache ich, wenn ich mich verschrieben habe, während des Vertragsschlusses? Kann meine minderjährige Schwester mich bei dem Kauf des neuen Laptops vertreten? (etc.) Bereits diese Kleinigkeiten werden Eure Blickweise auf alltägliche Situationen verändern ;-)

 

Im Strafrecht geht es in erster Linie um die Straftat an sich. Wie prüfe ich, wie sich der Täter strafbar gemacht hat (Tatbestandsmäßigkeit)? Hat der Täter überhaupt rechtswidrig gehandelt (Notwehr)? Und ist der Täter überhaupt schuldig, das heißt, war ihm bewusst, dass er Unrecht tat (Schuldunfähigkeit)? Die Delikte an denen Ihr üben werdet sind zumeist die einfache Körperverletzung, Sachbeschädigung und Totschlag. Trotzdem werdet Ihr auch hier anfangen Horror- und Actionfilme anders zu beurteilen und Euch zu fragen, ob es nicht vielleicht erlaubt ist, einen anderen Menschen zu töten, wenn man selbst in Lebensgefahr ist.

 

Das Fach, das die meisten von Euch erst mal nicht so sehr mögen werden und das laut Dozenten eine „Aussiebfunktion“ hat ist Staatsorganisationsrecht. Im Grunde lernt Ihr den Staatsaufbau noch einmal aus rechtlicher Sicht kennen und erfahrt wie die einzelnen Bundesorgane untereinander berechtigt sind und wie sie untereinander ihre Rechte geltend machen können. Weiteres Thema ist u.a. auch das Gesetzgebungsverfahren.

Je nach Universität gibt es noch die ein oder andere Zusatzveranstaltung, die zu belegen ist, wie z.B. eine juristische Fremdsprache.
Dann ein kleiner Rat zum Anfang: Hakt die „leichten/wenig aufwendigen“ Dinge gleich am Anfang ab, weil die Zeit knapp werden wird und Ihr froh sein werdet, wenn Ihr bereits einen Großteil hinter Euch habt.

Wir wünschen Euch viel Erfolg im Jurastudium!

Lernen zu lernen

 

Viele denken, wenn man das Abitur geschafft hat, weiß man wie man richtig lernt. Da müssen wir Euch leider enttäuschen. Die Stoffmenge, die im Jurastudium auf einen wartet, steht vollkommen außer Verhältnis zu dem Wissen was man im Abitur braucht. Man kann ungefähr sagen, dass das was man in einem Leistungskurs für das Abitur gelernt hat dem Stoff aus einem Semester in einer Vorlesung entspricht.

Daher werden die meisten von Euch sich mit dem Thema „Lernen zu lernen“ noch einmal auseinander setzen müssen um den eigenen Lerntyp zu bestimmen und eine geeignete Lernstrategie zu entwickeln.

In der klassischen Lern-Lehre gibt es vier Lerntypen.

Erstens den auditiven Typen, der am liebsten die Inhalte hört und so am besten verinnerlicht. Zweitens den visuellen Typen, der den größten Nutzen aus Büchern ziehen kann, indem er sie liest und in Vorlesungen mitschreibt. Drittens den motorischen Typen, der Abläufe und Schlussfolgerungen dann gut versteht, wenn er sie selbst durchführt (learning by doing). Und viertens den kommunikativen Typen, der sich die Inhalte am besten in Gesprächen und Diskussionen mit anderen aneignet.

Derjenige, der sich als motorischen Typen identifiziert, hat es schwer im Jurastudium. Da gibt es nicht wirklich etwas zum Anfassen. Wahrscheinlich bietet sich für ihn am besten das Lösen von Fällen an. Weiterhin sollte er sich viel bewegen, während des Lernens und es bietet sich an, eine Lerngruppe zu bilden.

Der kommunikative Typ ist schon besser im Studium der Rechtswissenschaften aufgehoben. Dennoch fühlt er sich wahrscheinlich am wohlsten in Seminaren und Übungsgruppen und nicht in Vorlesungen.

Eher leicht wird es den visuellen und auditiven Lerntypen fallen den Examensstoff zu lernen und zu verinnerlichen, denn gerade Vorlesungen und Lehrbücher sind die hauptsächlichen Lehrmethoden im Jura Studium. Mitschreiben ist die Regel und gute selbsterstellte Lernzettel begleiten Euch durch das gesamte Studium.

Aber niemand ist nur ein Lerntyp, es gibt nur Mischtypen. Trotzdem sollte man seine Stärke kennen, also seinen dominanten Lerntyp. Wenn Ihr herausfinden wollt, welcher dominante Lerntyp in Euch steckt, kann Euch dieser Test helfen.

Weitere sinnvoll Literatur zu dem Thema:

Broemel/Stadler, Lernstrategien im Jurastudium; in: Jura 2014, 1209

Lammers, Lernen im Jurastudium und in der Examensvorbereitung, in: JuS 2015, 289

Lemmerz/Bienert, Die Examensvorbereitung –Plädoyer für mehr Mut zur Selbstreflexion, in: Jura 2011, 335

Sanders/Dauner-Lieb, Lernlust statt Examensfrust; in: JuS 2013, 380

Konrad, Klaus, Lernen lernen – allein und mit anderen: Konzepte, Lösungen, Beispiele, Wiesbaden, 2014

Richtiges Notizenmachen

Es gibt einige Probleme auf die man in einer Vorlesung stößt. Dazu kommt, dass man sich an dieses unbekannte Format erst einmal gewöhnen muss. Von Anfang an richtig Mitschreiben ist daher gar nicht so einfach.

Erst einmal zu den Problemen, die Euch mit Sicherheit das Leben schwer machen wollen.
1. Der Dozent gibt das Tempo vor. Da mitzuhalten ist bei dem ein oder anderen eine echte Herausforderung. (Bei anderen sollte man dann wiederum versuchen nicht einzuschlafen)
2. Man muss sofort die wichtigen Informationen von den „Unwichtigen“ trennen und filtern. Das kommt mit unseren Tipps und mit der Zeit.
3. Schließlich brauchen unterschiedliche Anschlussverwendungen, unterschiedliche Informationen.

Als erstes muss man sich einen Plan für die Organisation der Notizen zu Recht legen.
1. Aus welchem Grund mache ich gerade Notizen? – dafür teilt man seine Stichpunkte am besten auch gleich in folgende Bereiche ein: Definition, Beschreibung/Beispiel, Klassifizierung, Abschnitt/Reihenfolge, Vergleich/Gegenteil, Grund/Auswirkung, Problem + Lösung, Überzeugung + Auswertung
2. Als nächsten Schritt, kann man sein Blatt Papier in zwei Spalten einteilen. Daraufhin schreibt man die Hauptpunkte/das Wichtige nach links und die Zusatzinformationen nach rechts. Darunter lässt sich ein weiterer Abschnitt mit einem Querstrich einrichten, in dem man eigene Ideen und Gedanken festhält.

Der nächste Schritt die Trennung zwischen den wichtigen und den unwichtigen Informationen kommt mit der Zeit. Zu Beginn kann man aber auch auf Schlüsselworte achten, wie z.B. daraus folgt, das nächste Thema, zum Beispiel, etc. Betont der Dozent einige Punkte besonders, sollte man diese zusätzlich mit einem Textmarker oder einem Sternchen hervorheben.

Schließlich kann das Tempo eines Dozenten einen ganz schön ins Schleudern bringen.
1. Das erste was man dafür lernen muss ist zu wissen was man ignorieren darf. Das ist Übungssache.
2. Natürlich darf man auch Abkürzungen und Symbole verwenden. Beliebt bei uns Juristen sind Ausrufezeichen oder Blitze für Streitigkeiten. Natürlich schreibt man Bundesverfassungsgericht nichts aus, sondern schreibt einfach BVerfG. Bei den Gesetzen ist das natürlich genauso. Das Gleiche gilt für die einzelnen Normen: § 223 I StGB oder § 812 I 1 1. Alt. BGB. Immer gehen auch Pfeile (für Ergebnisse und Schlussfolgerungen) =/≠ und +-Zeichen.
3. Währenddessen sollten auch sofort Verbindungen dargelegt werden. Dazu kann man gerne auch mal ein kleines Diagramm malen oder eine Mind-Map erstellen.

Vorziehen

Viele von Euch haben das Wort „Vorziehen“ im Zusammenhang mit dem Jurastudium bestimmt schon einmal gehört, doch um was es sich genau handelt oder wie man es sich zu Nutze macht, ist bestimmt nicht jedem bekannt.
Vorziehen bedeutet, dass man eine Veranstaltung (oder mehrere), die für ein höheres Semester angedacht ist, bereits eher besucht und auch einen Schein erwirbt. Schwierig ist es dabei, sich die passenden Veranstaltungen herauszusuchen, um nicht nur die Zeit in der Veranstaltung abzusitzen, sondern auch etwas von der Veranstaltung mitzunehmen und einen wirklichen Mehrwert davon zu haben.

 

Zu allererst ist zu sagen, dass Vorziehen im ersten Semester nicht sinnvoll ist. Fachlich müssen erst einmal die Grundlagen geschaffen werden. Im zweiten Semester sieht das dann schon wieder anders aus, sodass mit dem Vorziehen begonnen werden kann. Man muss darauf achten, dass entweder ganz Neues gehört wird oder das Vorwissen bereits im ersten Semester erworben wurde. Neu wäre zum Beispiel Verwaltungsrecht – Allgemeiner Teil.

Als Aufbauveranstaltung lässt sich unter anderem bereits Zivilprozessrecht hören oder auch Sachenrecht bzw. Gesetzliche Schuldverhältnisse. Das geht auch parallel zum allgemeinen Schuldrecht (eigene Erfahrung). Weiterhin wichtig ist, dass zeitlich immer noch genug Freiraum für das Nachbereiten und die Tutorials besteht. Im zweiten Semester sollten auch noch nicht zu große Lücken in anderen (angesetzten) Veranstaltungen entstehen.

 

Das lässt sich ohne Probleme so fortführen, wenn man die genannten Regeln beachtet und sich auch gegebenenfalls bei höheren Semester oder bei Beratungsstellen innerhalb der Uni über Inhalte der Veranstaltungen informiert.

Mündliche Prüfung - Vorbereitung

Wenn die mündliche Prüfung bevorsteht, heißt es sich wieder aufzuraffen und nochmal sein ganzes Gehirnschmalz zusammenzukratzen. Nach so langer Zeit fällt es erstmal schwer, aber wenn die Ladung eingetrudelt ist, siegt der Ehrgeiz meistens.

Zuvor sollte man versuchen den bereits gelernten Stoff frisch zu halten. Erst mit der Ladung dann Vollgas geben, dürfte reichen. Dann aber richtig! Man sollte versuchen täglich einen Vortrag in dem zugeteilten Bereich zu üben. Dafür sollte man jeden einspannen, der sich das Ganze noch anhören kann. Das Üben ist sehr wichtig, weil die richtge Notiztechnik und die tatsächliche Zeit verinnerlicht werden müssen.

Außerdem ist es sinnvoll eine große Tageszeitung zu abonnieren und nach prüfungsfähigen Sachverhalten zu schauen.

Ebenfalls sinnvoll ist es, dass man Einsicht in Protokolle früherer Prüfungen nimmt. Manche Prüfer sind nämlich "protokollfest", das heißt sie prüfen regelmäßig das gleiche.

Vorträge zum Üben könnt Ihr ebenfalls aus den Protokollen zusammenstellen, aber auch die unten aufgeführten Literaturhinweise beinhalten Übungsvorträge. Zudem stellen manche Examinatoriumsbüros Vorträge zur Verfügung und hören Euch auch gerne mal zu.

Ein neuer Prüfungstyp ist der Themenvortrag. Er ist zwar noch eher selten, soll aber häufiger werden. Bei diesem Typus geht es um die Darstellung systematischer Zusammenhänge oder der Vorstellung eines Meinungsstreits. Das sollte unbedingt auch mindestens einmal geübt werden. Dazu wendet Ihr Euch am besten an Euer Examinatoriumsbüro. Ebenso solltet Ihr Euch informieren, ob bei Euch an der Universität Prüfungsgespräche simuliert werden oder Seminare zur Übung von solchen Vorträgen angeboten werden.

 

Unterstützende Literatur:

Augsberg, Stefan

Der Kurzvortrag im Ersten Examen - Strafrecht/Öffentliches Recht/Zivilrecht

 

Buchwald, Franziska Maria

Der Examensvortrag - eine Anleitung; in: AL 2009, 210

 

Kaiser, Torsten/Horst, Thomas/Horst, Johannes

Prüfungswissen Jura für das mündliche Examen: 1. und 2. Staatsexamen

 

Kares, Kerstin/Meurs, Christian (NRW)

Referendarexamensvortrag - Öffentliches Recht: Bienenhaltung im Wohngebiet; in: JuS 2009, 58

 

Kipp, Onni T./Kummer, Pierre M.

Ein Fallbeispiel zum Vortrag im ersten juristischen Staatsexamen; in: Jura 2008, 792

 

Koch, Raphael

Der Vortrag im ersten Examen:"Die Obstplantage"; in: JA 2009,263

 

Kröpil, Karl

Das strafrechtliche Prüfungsgespräch in den juristischen Staatsprüfungen; in: JuS 2009, 738

 

Krüger, Alina/Ebeling Christoph/Gusy Christoph

Der Vortrag in der staatlichen Pflichtfachprüfung; in: AL 2013, 291

 

Petersen, Jens

Die mündliche Prüfung im ersten juritischen Staatsexamen: Zivilrechtliche Prüfungsgespräche

 

Pötters, Stephan/Werkmeister, Christoph

Basiswissen Jura für die mündlichen Prüfungen, 4.Aufl.

 

Sendmeyer, Stefanie

Fallbearbeitung Zivilrecht - Unfall beim Wasserskifahren - Examensvortrag; in: AL 2011, 320

 

Tappe, Henning

Examensvortrag Öffentliches Recht: Friedenssaal - Es geht nicht immer friedlich zu; in: AL 2010 38

Achtung: Seminar!

Früher viel stärker ausgeprägt als heute, ist die Teilnahme an Seminaren. Man kann sie zwar umgehen, aber sie sind nicht nur hilfreich für die bevorstehende Schwerpunkthausarbeit, sondern man kann auch einige Leistungsnachweise erwerben z.B. Großer Grundlagenschein.

 

Wir haben mittlerweile schon drei Seminare besucht und vielseitige Erfahrungen damit gemacht ;-).

 

Die Frage, die sich anfangs immer stellt:

 

Wie finde ich das perfekte Seminar?

 

Als erstes sollte man sich im Klaren darüber sein, in welche Richtung das Seminar gehen soll. Bevorzugt man eher öffentlich-rechtliche Themen, dann geht man natürlich in ein öffentlich-rechtliches Seminar. (1) Seminare sind aber auch oft interdisziplinär und/oder rechtsgebietsübergreifend. Deswegen findet man auch dort leicht Themen, die einen interessieren.

Dann veschafft man sich einen Überblick über die angebotenen Seminare. In Aushängen, auf den Lehrstuhlseiten, im Vorlesungsverzeichnis oder im Sekretariat des Lehrstuhls findet man dann die Themenlisten. (2) Ist ein Thema darunter, das einen interessiert? Würde man sich mit diesem Thema mehrere Wochen auseinandersetzen? Gibt es Material zu diesem Thema? Sind es vielleicht auch mehrere Themen, auf die ich im Zweifel ausweichen kann? Dann kann das Seminar schon mal in die engere Auswahl mit aufgenommen werden.

Um das perfekte Seminar zu finden, müssen auch die äußeren Umstände passen. (3) Dabei stehen folgende Fragen im Mittelpunkt:

Wer ist der Veranstalter des Seminars? Kenne ich diese Person? Wenn nicht, hat wer Erfahrungen mit dem Lehrstil der Person? Wichtig zu wissen ist es, dass manche Veranstalter leider nicht alle Meinungen zulassen. Deswegen sollte in Erfahrung gebracht werden, inwieweit eine wissenschaftliche Diskussion zustande kommen kann.

Wer sind die Teilnehmer des Seminars? Es bringt nichts das tollste Thema oder einen guten Veranstalter zu haben, wenn kein tatsächliches Interesse an dem Diskurs und der Thematik besteht, sondern nur nach Leistungsnachweisen gestrebt wird. Einen ersten Eindruck kann man sich oftmals bei der Vorbesprechung, bei der man möglichst dabei sein sollte, verschaffen.

Wann und wo findet das Seminar statt? Bin ich bereit dazu zwei Tage hintereinander mich jeweils zehn Stunden mit der Thematik zu befassen? Möchte ich lieber ein wöchentliches Seminar besuchen? Sind Kosten mit dem Seminar verbunden, weil es nicht in der Universität stattfindet?

Wann wird die Seminararbeit geschrieben? Habe ich genug Zeit, diese anzufertigen? Vernachlässige ich nicht nebenbei mein Studium? Kann ich den Zeitaufwand überblicken?

 

Wenn Du mit gutem Gewissen, alle Fragen zu Deiner Zufriedenheit beantworten konntest, dann herzlichen Glückwunsch: Du hast das perfekte Seminar gefunden!

 

Achso: Hast Du Dein Traumseminar gefunden, dann beeile Dich! Die Seminarthemen sind immer schnell vergriffen!

Notfall-Plan: Fit für Klausuren in einer Woche

Hierbei müsst Ihr auf jeden Fall beachten, dass es sich um einen NOTFALL-Plan handelt! Ein stetes Nachbereiten des Vorlesungsstoffes während des Semesters, erleichtert die Klausurvorbereitung erheblich.

Der Plan hilft nur, wenn der Dozent die Klausurinhalte eingeschränkt hat oder es sich um ein nicht weitreichendes Themengebiet handelt.

  1. Höre Dich um, ob der Klausurstoff vom Dozenten bereits eingeschränkt worden ist und konzentriere Dich dann nur auf diese Teilbereiche. ( ca. 1 Tag bzw., wenn Du die Vorlesung regelmäßig besucht hast, kannst Du diesen Schritt auslassen)
  2. Suche Dir ein bis zwei Skripte zu den Themen raus und arbeite diese konzentriert und auf die eingeschränkten Bereiche hin durch, damit Du dir einen Überblick dazu verschaffen kannst. (ca. 1 Tag)
  3. Schaue Dir die Vorlesungsfolien an. (Hat der Dozent Schwerpunkte gesetzt?) Gehe noch mal alle Fälle durch, die in den Tutorials zur Veranstaltung besprochen worden sind. (ca. 1 Tag)
    Achte dabei auf die Probleme (mache dir eine Liste) und in welchen Fallkonstellationen diese auftreten.
  4. Probleme, die Du noch nicht verstanden hast, arbeite am besten anhand eines Lehrbuchs (Deines Vertrauens) durch. (ca. 1 Tag)
  5. Suche zu diesen Problemen, weitere Fälle oder Zeitschriftenaufsätze heraus und arbeite diese durch. (ca. 1 Tag)
  6. Wiederhole den Stoff noch ein paar Mal und die Klausur müsste auf jeden Fall bestanden sein (ca. 1 -2 Tage)

 

myJurazone wünscht viel Erfolg für die Klausuren!

Freischuss

Freischuss ist das, was alle Jura-Studenten wollen, denn es handelt sich dabei um eine zweite Chance im ersten Examen. Wenn man sich bis spätestens vor dem 9. Semester zum Examen anmeldet, erhält man einen sogenannten Freischuss.

 

Normalerweise hat man nur einen Versuch das Examen zu schreiben. Besteht man beim ersten Mal bereits ist man regulär durch. Sollte man beim ersten Versuch nicht bestehen, erhält man nur dann regulär einen zweiten Versuch. Besteht man beim zweiten Mal erneut nicht, war es das mit dem Jurastudium.

 

Bei einem Freischuss hat man einen Verbesserungsversuch, das heißt obwohl man bereits im ersten Versuch bestanden hat, kann man, wenn man mit der ersten Note nicht zufrieden ist, freiwillig erneut zum Examen antreten. Ebenso steht alles auf Null, wenn man im ersten Versuch nicht besteht, denn dann hat man weiterhin die regulären zwei Versuche.

Abschichten

Abschichten bedeutet, dass man die sechs Examensklausuren (3x Zivilrecht, 2x Öffentliches Recht und 1x Strafrecht) nicht wie üblich innerhalb von zwei Wochen schreibt, sondern dass man die Möglichkeit hat, die Klausuren zu verteilen, zum Beispiel erst 3x Zivilrecht und dann 3 Monate später Strafrecht und Öffentliches Recht.

 

Voraussetzung für das Abschichten ist , dass man sich bereits nach regulären sieben Semestern oder durch die Hilfe von erarbeiteten Freisemestern, die man sich anrechnen lässt und dadurch dann nach sieben Semestern fertig ist, für das Examen anmeldet.

 

Unter Jura-Studenten ist der Nutzen gegenüber dem Zweitaufwand des Abschichtens stark umstritten. Die eine Hälfte würde es bei zügigem Fertigwerden dadurch in Betracht ziehen, dass man sich erst sicher auf zum Beispiel das große Gebiet des Zivilrechts vorbereiten kann und dann noch einmal drei Monate hat für die anderen beiden (nicht so umfangreichen) Rechtsgebiete. Die andere Hälfte führt hingegen an, dass noch einmal drei Monate später sowieso die mündliche Prüfung ansteht, in der man erneut alles drauf haben muss. Auch ist zu bedenken, dass man im Grunde neun Monate Examen schreibt dadurch. Sowohl der psychische als auch der physische Druck sind für einen langen Zeitraum immens hoch. Sollte man das Abschichten anstreben, sollte man trotz alledem nicht die Examensvorbereitung abkürzen.

Neuigkeiten

Unsere Homepage baut sich durch unser Rep auf und ist daher jetzt vollständig!

Das Examen ist geschrieben (!) insgesamt gibt es zwar weniger neue Beiträge, aber wir hören noch nicht auf ;-)

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Neuster Stand: Auschwitz-Prozess

Die Nebenkläger verlangen die Ladung eines bereits verurteilten SS-Wachmanns Oskar Gröning, der zur gleichen Zeit wie der Angeklagte in Auschwitz eingesetzt worden war. Dieser könnte mangels Rechtskräftigkeit seines Urteils sich auf ein Aussageverweigerungsrecht stützen.

Weiterhin kündigte die Verteidigung an am 29.04. eine Aussage des Angeklagten zu verlesen.

Es wird ebenso keine Reise in die USA geben um weitere Überlebende zu vernehmen.

 

15.04.2016

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© Franziska Wiesner & Michaela Wördehoff