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Praktikum - Erfahrungsberichte

Zu jedem Jurastudium gehören Pflichtpraktika.

In NRW muss man zum einen sechs Wochen in die Verwaltung und zum anderen noch einmal sechs Wochen in die Rechtspflege.

 

Doch wann ist die richtige Zeit für diese Praktika? Wann lohnt es sich erst in die juristische Praxis zu schnuppern? Wo kann ich diese Praktika machen und wie viel Zeit habe ich nebenbei? Wann sollte ich mich bewerben?

 

Alles Fragen, die wir uns auch gestellt haben und mit Hilfe von eigenen Erfahrungen nun auch Euch beantworten möchten.

JPA Hamm zu Verwaltungspraktika
Das JPA Hamm erkennt keine Verwaltungspraktika mehr in privat organisierten Institutionen an, auch wenn sie öffentliche Aufgaben wahrnehmen.
wichtige_aenderungen.pdf
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Praktikum beim DIHK e.V. in Brüssel

Mein (Franziska) Praktikum im Rahmen des Programms "Europa Intensiv" der Universität Bielefeld absolvierte ich beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK e.V.) in Brüssel. Der DIHK e.V. ist der Dachverband der 79 Industrie- und Handelskammern in Deutschland und hat seinen Hauptsitz in Berlin. Das Büro in Brüssel ist aufgrund der großen Relevanz und des Einflusses der Europäischen Politik auf die deutsche Wirtschaft gegründet worden. Man kann das Büro in Brüssel sowohl als Außenstelle, wie auch als Kontaktbüro oder Beobachtungsstützpunkt beschreiben. Zu den Aufgaben der vor Ort Beschäftigten gehört zum einen die Interessenvertretung der deutschen Wirtschaft, wie auch des deutschen AHK-Netzwerks durch den Dialog mit Vertretern der EU-Institutionen oder durch die Teilnahme an Workshops und Konsultationsverfahren. Weiterhin kooperiert das Büro stark mit anderen Vertretungen europäischer nationaler Wirtschaftsverbände, insbesondere den Vertretungen anderer nationaler Kammerverbände Europas. Im Zusammenhang mit anderen europäischen Kammerverbänden ist der DIHK e.V. auch ein sehr aktives Mitglied von Eurochambres, dem Dachverband der europäischen nationalen Handelskammern. Dank des Industrie- und Handelskammerzwangs darf der DIHK e.V. in Brüssel weiterhin als Vertreter des gesamtdeutschen Wirtschaftsinteresses auftreten und hat so einen großen Einfluss und ein gewisses Ansehen in der Welt der Wirtschaftslobbyisten.

Das Büro ist insgesamt mit zehn Referenten/Referentinnen, vier Assistentinnen und einem Bereichsleiter besetzt, sowie 2-3 Praktikanten und/oder Referendaren. Die Bereiche, die hier abgedeckt werden sind: EU-Bildungspolitik, Europäische Umwelt- und Rohstoffpolitik, Europäische Wirtschaftspolitik, Regionale Wirtschaftspolitik, EU-Verkehrspolitik, EU-Koordination, Handelspolitik, EU-Zollfragen, Transatlantische Beziehungen, Europäische Energie- und Klimapolitik, Steuern in der EU, EU-Haushalt, Energiesteuern, Europäisches Wirtschaftsrecht, Deutsches und Internationales Handelsrecht, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Eurochambres und Beziehungen zu EU-Institutionen. Ich war primär dem Bereich Europäischem Wirtschaftsrecht sowie Deutschem und Internationalem Handelsrecht zugeteilt.

 

Die Bewerbung lief unproblematisch per E-Mail. Bereits kurze Zeit später erhielt ich eine Zusage. Frau Mattauch, die Koordinatorin für die Praktikanten im Büro, verlangte lediglich noch ein kurzes Telefonat um sich näher kennen zu lernen. Dabei wies sie mich netterweise darauf hin, dass ich Erasmus + beantragen könnte und sie mich gerne dabei unterstützen würde, da ich bei dem Praktikum kein Geld erhalten würde. Immerhin konnte ist so einen Teil meines Aufenthalts finanzieren.

 

Meine Hauptaufgabe war das sogenannte Monitoring. Beim Monitoring geht es darum aktuelle Pressemitteilungen, neu erscheinende Gesetzesinitiativen, in Umlauf gebrachte Konsultationen und demnächst bevorstehende Veranstaltungen im Auge zu behalten und die relevanten Informationen an seinen Referenten weiterzuleiten. Eine weitere, sehr zeitintensive Tätigkeit ist das Besuchen von Veranstaltungen jeglicher Art. Das können Abendveranstaltungen mit Podiumsdiskussionen oder Impulsreferaten sein. Dann schaut man sich auch häufiger entweder direkt im Europäischen Parlament oder Online Anhörungen von Ausschuss- oder Plenumssitzungen des Europäischen Parlaments an. Ebenso häufig wie Abendveranstaltungen gibt es Mittagsveranstaltungen mit Expertenrunden. Häufiger finden auch Breakfast Briefings statt, die bereits um 8:30 Uhr beginnen. Die Organisatoren solcher Veranstaltungen sind Think Tanks, Landesvertretungen und Interessenvertreter (Lobby-Gruppen), sodass eine breite Meinungsvielfalt besteht. Vier Veranstaltungen, die ich besucht habe, würde ich hier gerne kurz vorstellen. Ebenso veranstaltet der DIHK e.V. selbst regelmäßig kleinere Meetings und ab und zu größere Veranstaltungen bei denen man als Praktikant unterstützend tätig wird, indem man zum Beispiel den Empfang macht und Namensschilder verteilt oder mit Mikrophonen ins Publikum geht um Fragen entgegen zu nehmen. Vor den Veranstaltungen hatte man in der Regel Zeit, um sich in das jeweilige Thema etwas einzulesen und einzuarbeiten. Während der Veranstaltung an sich, ist man dazu angehalten mitzuschreiben, um anschließend einen ausführlichen Bericht für den Referenten anfertigen zu können.

Des Weiteren gibt der DIHK e.V. den Newsletter „Bericht aus Brüssel“ heraus, der jeden Montag erscheint. Für diesen durfte ich Berichte verfassen und so die Abonnenten über europäische, wirtschaftsrelevante Sachverhalte informieren. Ein weiterer Teil meines Aufgabenspektrums war die Recherche zu Hintergründen von bestimmten Themen für meine Referentin. Speziell in diesem Bereich war immer ein juristischer Bezug gegeben.

Als Praktikant beim DIHK e.V. in Brüssel muss man am Ende seines Praktikums eine Abschlusspräsentation vor der Belegschaft des Büros halten. Das Thema dafür wählt man in der Regel selber. Eine Hilfestellung und Tipps wird aber jeder Referent auf Nachfrage geben. Wichtig bei der Themenauswahl sind ein Bezug zur Arbeit beim DIHK e.V. und der Europäischen Union, sowie ein reflektierender Aspekt bei der Ausarbeitung. Mein Thema war der EU-U.S. Privacy Shield und seine Erfolgschancen vor dem Europäischen Gerichtshof zu bestehen, wenn er demnächst in Kraft tritt.

 

Meine Intention ein Praktikum beim DIHK e.V. zu machen war, dass ich etwas völlig Anderes und Neues kennenlernen wollte. Zusätzlich wollte ich auch ein Praktikum machen, dass einen Bezug zu meinem absolvierten Schwerpunktbereich „Öffentliches Wirtschaftsrecht der EU“ aufweist und es musste einen Bezug zur europäischen Union aufgrund des Programms „Europa Intensiv“ aufweisen, was sich leicht verbinden ließ. Ein in Brüssel ansässiger Wirtschaftsverband drängte sich dementsprechend geradezu auf. Des Weiteren fand ich es spannend mal auf der „Seite der Interessenvertreter (Lobbyisten)“ zu stehen. Ich nehme bereits hier vorweg, dass das klassische Bild von Lobbyisten mit Geschenken und Mittagessen absolut nicht die Regel ist.

Das wirklich tolle Team in diesem Büro erleichterte es mir sehr mich einzuleben. Das tägliche Zusammensitzen beim Mittagessen in der sogenannten „Social Corner“ gehörte bald zu meinem Tagesablauf dazu. Meine erworbenen Kenntnisse aus dem Studium  konnte ich leider Großteils nicht anwenden, da sie meistens zu detailorientiert waren. Es wird hier wenig an Gesetzen gearbeitet, weil man sich meistens eher mit dem Entstehungsprozess eines neuen Gesetzes befasst. Das juristische Arbeiten und Grundverständnis haben mir hingegen doch sehr geholfen und erweiterten meinen Aufgabenkreis schon etwas, sodass ich rechtliche Fragen auch für andere Referenten recherchieren durfte. Bei einigen Veranstaltungen hatte ich dadurch auch einen leichteren Einstieg und einen besseren Überblick wie zum Beispiel bei einer Veranstaltung über ein neues Online-Kaufrecht. Teilweise werden die Redner während der Veranstaltung je nach ihrem persönlichen Hintergrund sehr detailverliebt und präzise.

Besonders positiv fand ich die Vorgabe des Büros, dass sich jeder Referent für mich einmal Zeit nehmen musste, um mir seinen Arbeitsbereich vorzustellen, sogenanntes Referentengespräch. Innerhalb der drei Monate hatte ich daher einige sehr interessante Gespräche und Einblicke in die verschiedenen Positionen im DIHK e.V.

 

Durch die vielen Veranstaltungen, die ich besuchen durfte, lernte ich einige andere Praktikanten aus anderen Institutionen kennen, mit denen ich auch weiterhin Kontakt pflegen möchte.

 

Wirtschaftsinteressierten Studierenden aller Studiengänge kann ich ein Praktikum beim DIHK e.V. in Brüssel durchaus empfehlen. Das Team ist wirklich freundlich, nimmt einen schnell auf und bindet jeden mit ein. Es finden sich immer Aufgaben für Praktikanten und man kann auch in alle vertretenden Bereiche einmal hineinschnuppern durch die bereits erwähnten Referentengespräche. Man lernt viele interessante und verschiedene Menschen kennen und knüpft einige Kontakte, die man unbedingt versuchen sollte aufrecht zu erhalten. Mitbringen sollte man eine schnelle Auffassungsgabe und eine kommunikative und offene Art, denn Kontakte knüpfen ist in Brüssel sehr wichtig. Die Aufgaben sind abwechslungsreich und werden an den Leistungsstand des Praktikanten angepasst, sodass man nicht verzagen sollte, wenn man etwas bestimmtes nicht so gut kann. Als Mehrwert kann ich für mich mitnehmen, dass ich in Zukunft in Brüssel arbeiten und leben könnte, jedoch eher nicht bei einer klassischen Interessenvertretung aufgrund der nur kleinen Erfolge, die man "feiern" kann. Besonders positiv ist für mich jedoch die Aussicht meine Wahlstation im Referendariat möglicherweise in einer der zahlreichen, weltweiten AHKs absolvieren zu können.

Praktikum bei der Landesvertretung NRW bei der EU in Brüssel

Im Rahmen der Zusatzqualifikation „Europa Intensiv“, die an der Universität Bielefeld angeboten wird, ist ein sechswöchiges Pflichtpraktikum vorgeschrieben, welches vorzugsweise in Brüssel absolviert werden sollte.

 

Ich, Michaela, habe ich mich für ein Praktikum bei der Landesvertretung Nordrhein-Westfalen bei der EU entschieden. Die Landesvertretungen übernehmen die politische Interessenvertretung gegenüber den Europäischen Institutionen wahr.

 

Die Bewerbung habe ich per E-Mail geschickt und sofort eine Empfangsbestätigung erhalten. Circa zwei Monate später habe ich die Zusage (ebenfalls per Mail) erhalten. Ein Bewerbungsgespräch wird nicht durchgeführt. Anderthalb Monate vor Antritt des Praktikums erhält man eine E-Mail mit der Zuweisung zu einem Referenten.

 

In der Landesvertretung NRW arbeiten derzeit 29 Mitarbeiter. Diese werden von bis zu 6 Praktikanten und Referendaren unterstützt, die zusammen in einem Büro sitzen. Dadurch hat man auch sofort Anschluss und kann sich bei Fragen und Problemen an die anderen wenden.

Die Praktikanten werden jeweils mindestens einem Referenten zugeteilt und erhalten Aufgaben von diesem. Ich war Herrn Johannes Grotz zugeteilt, der als Referent im Fachbereich Wirtschaft und Mittelstand, Wettbewerbs- und Strukturpolitik, Außenhandel tätig ist. Als Praktikant erhält man dadurch einen sehr guten Einblick in das Tagesgeschehen und die Arbeit einer regionalen Interessenvertretung bei der Europäischen Union. Die meiste Zeit habe ich mich mit der Recherche und Berichterstattung zu aktuellen Themen befasst. Viel recherchiert und geschrieben habe ich zu CETA, TTIP und anderen Handelsabkommen. Dazu habe ich neben der Lektüre des Vertragstextes und von Zeitungsartikeln auch Ausschusssitzungen mitverfolgt, protokolliert und Berichte verfasst. Als sehr interessant empfand ich auch die Thematik rund um die Zuerkennung des marktwirtschaftlichen für China. Das Mitverfolgen und Protokollieren von Ausschusssitzungen bilden ebenfalls einen Schwerpunkt der Arbeit der Praktikanten.

Neben den Arbeiten, die jeder Praktikant für seinen Referenten zu erledigen hat, gab es auch noch übergreifende Aufgaben wie die Unterstützung bei Veranstaltungen, die von der Landesvertretung organisiert und durchgeführt werden und die Erstellung einer wöchentlichen Presseschau.

 

Im Laufe meines Praktikums habe ich viele interessante Veranstaltungen besucht. So wurde in den Räumen der Landesvertretung der Film „Der Staat gegen Fritz Bauer“ gezeigt, wozu auch der Regisseur, der Drehbuchautor sowie der Hauptdarsteller anwesend waren. Auch eine Veranstaltung zu der Thematik „Patente auf Pflanzen“ interessierte mich sehr. Dr. Anton Hofreiter wurde zur Veranstaltung „Unersättlicher Weltmarkt – Zerstört die Agrarindustrie unseren Planeten“ geladen. Neben den Veranstaltungen, die in der Landesvertretung stattgefunden haben, habe ich aber auch viele weitere besucht. Zum Beispiel zu den Themen Online-Kaufrecht, digitaler Binnenmarkt und Brexit.

 

Ein Praktikum bei der Landesvertretung NRW ist nur zu empfehlen! Vom ersten Augenblick an habe ich mich aufgenommen gefühlt. In der Landesvertretung herrschen eine sehr angenehme Arbeitsatmosphäre und eine ungeschriebene Politik der offenen Türen. Man kann sich mit Fragen und Problemen an wirklich jeden wenden.

Ich konnte mich arbeitstechnisch nie über Leerlauf beklagen, was meiner Ansicht nach das Schlimmste an einem Praktikum ist. Den Zeitraum, in dem ich die mir aufgetragenen Aufgaben löste, konnte ich mir selbst einteilen, vorgegeben wurden mir lediglich Prioritäten. Die Betreuung, die ich durch meinen Referenten erlebte war sehr gut!

Grundsätzlich arbeitet man als Praktikant in der Landesvertretung von 9 bis 18 Uhr. Der Tag endet aber nicht um 18 Uhr, da danach erst die Abendveranstaltungen losgehen, bei denen man entweder für seinen Referenten mitschreiben muss oder die man in seiner Freizeit besucht. Zu Hause ist man also eher spätabends. Bei den Veranstaltungen sollte man sowieso so viele mitnehmen, wie man kann. So finden auch Veranstaltungen statt, die nicht interessant sind für den Arbeitsbereich des eigenen Referenten, die einen aber selber interessieren. Neben den eigenen Interessenschwerpunkten ist der Hauptbewegungsgrund der meisten Praktikanten für den Besuch von Abendveranstaltungen der, dass es dort meist ein sehr gutes (und kostenloses) Abendbuffet gibt.

Hier sollte auch ein kurzer Hinweis nicht fehlen, dass Brüssel ein eher teureres Pflaster ist. Trotzdem ist Brüssel eine wunderschöne Stadt! Ich habe diese Internationalität sehr zu schätzen gelernt.

 

Leider war ich zu einer sehr aufwühlenden Zeit in Brüssel. Die Landesvertretung NRW ist nicht allzu weit entfernt von der U-Bahn-Station Maelbeek, an der ein Teil der Anschläge passiert ist. Aber auch hier zeigte sich die besondere Beziehung zwischen den Mitarbeitern der Landesvertretung. Allen, die zum diesem Zeitpunkt nicht in der Landesvertretung anwesend waren, wurde so lange hinterhertelefoniert, bis man wusste, dass diese in Sicherheit waren. Da an diesem Tag auch keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr gefahren sind, wurden Fahrgemeinschaften gegründet und der Firmenwagen aus der Garage geholt, um alle, die etwas weiter weg gewohnt haben, wie mich beispielsweise, nach Hause zu fahren.

Trotzdem waren die sechs Wochen eine wundervolle Zeit, an die ich mich immer sehr gerne zurückerinnern werde!

 

Ein Praktikum bei des Landesvertretung NRW ist meines Erachtens vorbehaltlos zu empfehlen.

 

 

 

Anwaltspraktikum in deutsch-italienischer Kanzlei in Mailand

(Michaela) In meinem Studienplan wollte ich von Anfang an einen Auslandsaufenthalt integrieren. Nicht nur, weil sich das im Lebenslauf ganz gut macht, sondern weil mich das einfach gereizt hat. Da sich ein Auslandssemester aber einfach nicht in meinem doch mehr oder weniger engem Zeitplan einfügen ließ, entschied ich mich spontan für ein Praktikum im Ausland. In unserer Uni hängen in dem Flur, in dem u.a. das Prüfungsamt sitzt, viele Anzeigen zu Referendariatsstationen, aber auch zu Praktikumsplätzen. Hier fand ich – nach einem längeren, unfreiwilligen Aufenthalt – die Anzeige einer deutsch-italienischen Anwaltskanzlei, die mich sofort angesprochen hat. Ich verfasste also eine Bewerbung und schickte sie per E-Mail an die Kanzlei. Ein Bewerbungsgespräch fand (auf Deutsch) als Telefonat statt. Im September 2014 konnte es also nach Mailand gehen. Die Unterkunftssuche gestaltete sich nicht ganz so einfach, aber schlussendlich fand ich ein geeignetes Zimmer mit Halbpension.

Die Kanzlei liegt in einer sehr schönen Gegend Mailands. An meinem ersten Tag wurde ich sehr herzlich empfangen und in der Kanzlei rumgeführt. Ich teilte mir das Büro mit einer Mitarbeiterin, die kurz vor ihren Prüfungen stand. In der Kanzlei sind neben einem deutschen Anwalt noch zwei italienische Anwälte beschäftigt. Arbeitsschwerpunkt ist privates Wirtschaftsrecht. Ich beschäftigte mich die vier Wochen überwiegend mit Übersetzungen von Schriftsätzen (deutsch-italienisch; italienisch-deutsch), Recherchearbeiten (z.B. zu den geplanten Rechtsreformen in Italien), dem internationalen Privatrecht und vielem mehr und lernte so den Alltag in einer italienischen Kanzlei kennen. Einen Tag war ich mit bei Gericht (durch den Arbeitsschwerpunkt der Kanzlei kam das eher seltener vor), was für mich gelinde gesagt ein Kulturschock war. Der Ablauf unterschied sich sehr deutlich von deutschen Verfahren, allerdings kann dies auch daran gelegen haben, dass es sich um eine Insolvenzsache handelte. Mein Tag begann meist gegen 8:30/9:00 Uhr, ging dafür aber auch entsprechend lange. Trotzdem hatte ich noch ausreichend Zeit, um mir Mailand anzuschauen und ein bisschen meine Freizeit zu genießen.

 

Auf jeden Fall ist ein Auslandspraktikum zu empfehlen, wenn man während des Studiums keine Zeit für ein Auslandssemester hat. Wichtig ist meines Erachtens, dass man die Sprache des Landes so gut beherrscht, dass man ohne große Umstände Schriftsätze u.ä. versteht und sich mit den Kollegen verständigen kann. Insgesamt kann man so eine sehr schöne Zeit im Ausland erleben und dabei auch den typischen Arbeitsalltag des Landes kennenlernen.

Rechtspflegepraktikum beim Handelsverband OWL e.V.

Ich, Franziska Wiesner, habe im September 2014 ein Praktikum beim Handelsverband Ostwestfalen-Lippe e.V. gemacht. Schwerpunktmäßig (eigentlich ausschließlich) beschäftigt man sich hier mit arbeitsrechtlichen Problemen. Also ideal um mein verstaubtes/fehlendes Wissen zum Arbeitsrecht aufzufrischen, hatte ich mir gedacht. Außerdem war mein Bestreben dahinter auch mal etwas anderes als die klassischen Praktika zu machen. Offiziell kann man hier beim Handelsverband OWL e.V. aber auch das Rechtsanwaltspraktikum machen. Eine weitere Motivation, die ich hatte, bestand darin, dass ich mal die „andere“ Seite kennenlernen wollte. Klassisch beim Rechtsanwalt steht man doch meistens auf der Seite des Schwächeren, „des kleinen Mannes“. Hier steht man auf der Seite der Mitglieder = der Unternehmer (ansässigen Einzelhändler), also zum Beispiel H&M, Real, Jibi, IKEA aber auch der kleine Tante-Emma-Laden.

 

Der Arbeitsablauf war wie folgt:
Ich durfte täglich um 9:30 Uhr anfangen, also eine sehr angenehme Arbeitszeit. Aufgrund der durch die Urlaubsmonate auftretenden Fallarmut war ich meistens so bis 15 Uhr da. Ohne Probleme konnte ich den für mich zuständigen Juristen aber auch darauf ansprechen, mal einen Tag pro Woche für andere Verpflichtungen (Lehrstuhlarbeit, Hausarbeiten, etc.) frei zu bekommen.

Normalerweise gibt es ca. einmal pro Woche einen Gerichtstermin, zu dem man den Juristen des Hauses begleiten darf. Ich hatte leider durch die angesprochene Fallarmut lediglich einen Gerichtstag, da aber gleich drei Termine, dazu später mehr. Mir wurde ein eigenes Büro mit internetfähigem PC zugewiesen, in dem ich die mir zugeteilten Aufgaben selbstständig bearbeiten konnte. Auch die anderen Mitarbeiter waren unglaublich freundlich und zuvorkommend. Auch bei denen hätte ich bei Mitgliedergesprächen dabei sein dürfen, wenn nur etwas mehr losgewesen wäre. Weiterhin konnte ich die Küche mitbenutzen, das hieß so viel frischer Kaffee, wie ein strapazierter Studentenmagen verträgt.

 

Die Fälle waren teilweise wirklich kurios und auch spannend. Im Vergleich zu den bisher von mir gesehenen Akten und insbesondere zu Strafrechtsakten waren die Akten hier, aber um ein erhebliches schmaler. Akten im Umfang von Leitz-Ordner waren wirklich die Ausnahme und diese Fälle gingen dann auch zumeist durch alle drei Instanzen bis zum BAG. Besonders schwierig waren meistens die Kündigungsfälle, die einerseits absolut gerechtfertigt erschienen, andererseits aber auch gefühlt wegen Kleinigkeiten ausgesprochen wurden, sodass man Mitleid mit dem gekündigten Arbeitnehmer empfand. Trotzdem hatte man die Aufgabe die ausgesprochene Kündigung zu begründen und vor Gericht zu verteidigen.

 

Der Gerichtstag fiel mit meinem letzten Tag zusammen, sodass ich von einem super letzten Tag sprechen kann. Was ich besonders gut an der Arbeit im Handelsverband finde ist, dass man im Grunde immer mit den gleichen Leuten zusammenarbeitet. Die Einzelhändler wechseln nicht so häufig, große Unternehmen haben meistens mehr Fälle und die Dauer der Zusammenarbeit ist dadurch erheblich länger als bei einem klassischen Rechtsanwalt – Mandanten-Verhältnis. So entwickelt sich auch eine ganze andere Atmosphäre und das Auftreten vor Gericht wirkt harmonischer und man kann besser Absprachen treffen bzw. hat bereits eine Vorstellung auf welche gütlichen Einigungen sich das Mitglied einlassen würde.

 

 

Mein Fazit: Ich empfehle jedem, der sein Anwaltspraktikum noch vor sich hat und Interesse am Arbeitsrecht hat (oder wie ich in dem Bereich noch etwas lernen möchte) ein Praktikum beim Handelsverband OWL e.V. in Betracht zu ziehen. Das Arbeitsumfeld ist wirklich toll und die Arbeit macht Spaß. Außerdem ist die Chance auf einen Platz bisher noch sehr groß, weil es sich hier noch um ein sehr unbekanntes Praktikum handelt.

Verwaltungspraktikum in der Bundestagsverwaltung

Ich, Michaela, habe nun also auch mein zweites Praktikum (vom 17.02.-28.03.) in der Verwaltung abgeleistet. Die sechs Wochen war ich im Sportausschuss des Bundestages stationiert.

 

Ende des zweiten, Anfang des dritten Semesters und nach etlichen Berichten über die „langweilige Zeit in der Verwaltung“ war mir klar, dass ich mein Verwaltungspraktikum „wo besonderes“ machen wollte. Also habe ich mich bei der Bundestagsverwaltung beworben. Eine Bewerbung ist ganz einfach (http://www.bundestag.de/service/stellenangebote/praktikum.html): Man braucht ein kurzes Anschreiben, einen Lebenslauf, eine aktuelle Studienbescheinigung und den Nachweis (also die Prüfungsordnung), dass es sich um ein Pflichtpraktikum im Rahmen der Ausbildung handelt. Und man braucht eine ganze Menge Zeit und Geduld. Beworben habe ich mich etwas mehr als ein Jahr vor Praktikumsbeginn. Die Zusage (inklusive unterschriebener Praktikumsvertrag in zweifacher Ausfertigung) und generell das erste Zeichen, dass meine Bewerbung angekommen war, erhielt ich neun Monate nach der Bewerbung (damals hatte ich die Hoffnung schon aufgegeben).

 

Am 17.02. fand ich mich also mit ca. 10 anderen Praktikanten, die ebenfalls an dem Termin anfangen sollten in der Personalabteilung des Bundestages ein und wurde über Schweigepflicht, Verwahrungsbruch und die private Nutzung des dienstlichen Internet-Zugangs (war nicht erlaubt) belehrt. Danach ging es in die Zentrale Ausweisstelle (in einem anderen Gebäude) den Hausausweis abholen und (in noch ein weiteres Gebäude, das Paul-Löbe-Haus – PLH) zu meiner Praktikumsstelle.

 

Im Sportausschuss wurde ich sofort herzlich empfangen, durch die Abteilung geführt und allen vorgestellt. Alle waren sehr freundlich und ich entspannte mich aufgrund der lockeren Atmosphäre. Meine Anfrage auf den Kleidungsstil wurde mit dem Kommentar „Heute sind Sie schon zu overdressed für uns“ beantwortet (ich hatte eine Jeans und Bluse an…). Mir wurde der Arbeitsablauf erklärt, der Aufbau des Bundestages etc.

 

Ich bin sehr glücklich, dass ich dem Sportausschuss zugewiesen wurde (obwohl ich anfangs dachte: Ich und Sport-oh je…). Jeden Tag habe ich Aufgaben bekommen und saß somit nie auf dem Trockenen. Zu meinen Aufgaben zählten viele Recherchearbeiten (unter anderem auch zu Themen, die mit dem Sport eher weniger zu tun hatten) und das Schreiben von Protokollen der Ausschusssitzungen (klingt einfacher als es ist; man verwendet für sogenannte analytische Protokolle nämlich fast ausschließlich den Konjunktiv (Die Vorsitzende führt aus, dass für diesen Tagesordnungspunkt Herr X und Herr Y zur Verfügung stünden. Diese begrüße sie genauso herzlich…) …). Für Bundestags-, Bundeskanzleramts- und Bundesratsführungen durfte ich mir auch frei nehmen und diese Möglichkeit nahm ich gerne wahr, um nicht nur das PLH von innen zu sehen. An einigen Tagen schien draußen die Sonne so schön, dass ich liebenswerterweise früher nach Hause geschickt wurde. J Meine Arbeitszeiten waren sonst von ca. 9:00 bis ca. 16:00 Uhr. Circa, weil ich im Grunde nicht daran gebunden war, sondern auch mal „ausschlafen durfte“.

 

Insgesamt habe ich in Berlin eine schöne Zeit erlebt. Ich empfehle jedem, der Lust und Interesse daran hat, sich im Bundestag (rechtzeitig) zu bewerben. Da keine Leistungsnachweise verlangt werden, wird es auch sicherlich nicht so schwer sein, einen Platz zu bekommen.
(Ich empfehle aber auch jedem, der daran Interesse hat, sich eine Wohnung in der Nähe des Reichstagsgebäudes zu suchen, sonst fährt man morgens über eine Stunde durch die Gegend…)

 

Bielefeld, 01.04.14

Rechtspflegepraktikum im Bereich Strafrecht

Ich, Franziska, habe nun noch mein zweites Pflichtpraktikum abgeleistet, ebenfalls in einer Strafrechtskanzlei.

 

Ich gebe zu, dass ich zunächst in einer zivilrechtlich orientierten Kanzlei angefragt hatte und auch zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden war. Leider hatte diese Kanzlei zu meinem gewünschten Zeitpunkt bereits zwei Referendare und keine weitere Kapazität. Freundlicherweise erklärte mir der Zivil-Anwalt, dass er Strafrecht beim Rechtspflegepraktikum für sinnvoller hielte (man erlebt auch ganze Verfahren, weniger Aktenvorträge, "spannendere" Fälle, dergleichen) und empfahl mir eine Kanzlei, mit der er zusammenarbeitete.

Dort meldete ich mich auch noch am selben Tag telefonisch. Ich erhielt eine bedingte Zusage und sollte nur nochmal kurz per Mail die Daten und einen Lebenslauf zusenden (ohne Leistungsübersicht, lediglich Nachfragen zu meinen Leistungen).

Kurz vor Antritt des Praktikums sollte ich noch einmal vorbeikommen, um die wichtigsten Punkte, wie zum Beispiel die Schweigepflicht, zu besprechen.

 

Nun sind die 6 Wochen (fast) in der Kanzlei Dr. Binder und Partner, bei Herrn Chlosta (Fachanwalt für Strafrecht) vorbei und ich war bei einigen Verhandlungen mit, durfte eigens Akten studieren und meine Ansichten zu Prozessaussichten und Verhandlungen äußern. Ich habe einiges über den deutschen Strafprozess gelernt und verstehe nun auch die Strafzumessung besser.

 

Mir war von Anfang an klar, dass ich kein Anwalt werden möchte, trotzdem verstehe ich die Wahl dieses Berufes nun besser und bin sehr beeindruckt davon, dass sie sich jeden Tag für (auch wiederholt straffällig gewordene, keine Reue zeigende, bis zum bitteren Schluss leugnende) Angeklagte einsetzen. Meinen ersten Tag verbrachte ich in der Organisation der Kanzlei. Ich habe also mit geholfen Akten zu sortieren, herauszusuchen und auszuhändigen. Die Mädchen waren alle sehr sehr nett und haben mir auch einige Akten zum Lesen überlassen. Dies war aber der einzige Tag in der Organisation, den ich auch aus dem Grund für wichtig halte, da genau hier auch ein Großteil der Arbeit von den Anwälten abgenommen wird und man die passenden Akten nicht als Selbstverständlichkeit hinnehmen sollte.

In der weiteren Zeit beschränkten sich meine Aufenthalte in der Kanzlei auf wichtige Verhandlungen und Vorbesprechungen zu Verhandlungen, sowie weniger zeitintensive Rechercheaufgaben.

 

Ich bin froh, dass ich vor Antritt des Repetitoriums noch einmal in die Praxis geschaut habe und nun weiß wofür ich ab April so fleißig lernen werde.

 

Bielefeld, 17.03.14

Rechtspflegepraktikum in einer Strafrechtskanzlei

Ich, Michaela, habe mich dafür entschieden mein erstes Praktikum nach dem dritten Semester in einer Anwaltskanzlei zu machen. Drittes Semester, da weiß man schon einiges, da hat man schon die zwei Grundstudiums-Hausarbeiten weg. Guter Zeitpunkt, dachte ich mir.

 

Bei meiner Wahl spielte natürlich auch die räumliche Komponente eine große Rolle, so dass ich mich schlussendlich bei einer Kanzlei „um die Ecke“ beworben hatte. Dort bin ich erst einmal persönlich hingegangen, um mich zu erkundigen, ob die Kanzlei überhaupt Praktikanten nimmt und wie meine Bewerbung aussehen soll. Damit war der erste Schritt getan. Eine kurze schriftliche Bewerbung (ohne Leistungsübersicht) brachte ich den Tag später vorbei und bekam auch schon bald darauf eine Zusage per Post. Ich sollte mich dann noch mal für ein „Koordinierungsgespräch“ melden, in dem abgeklärt wurde, wann meine Arbeitszeiten sind und welche Aufgaben ich übernehmen soll.

 

Ab dem vierten Februar begann dann mein Praktikum bei der Kanzlei Kraft, Geil & Kollegen in Bielefeld bei (dem Fachanwalt für Strafrecht) Herr Schulze.

 

Ich habe mich vom ersten Tag an wohl gefühlt und wurde gut in den Kreis der Kollegen aufgenommen.

 

Sehr dankbar war ich dafür, dass ich kaum Akten sortieren und raussuchen musste. Das nahm von den sechs Wochen insgesamt nicht einen ganzen Tag ein. Vielmehr durfte ich bei Mandantengesprächen dabei sein, mit in das Gericht, zur Verbraucherberatung und was ich als ganz großes Highlight empfand mit in die Vollzugsanstalt. Ab der zweiten Woche war auch vermehrt Arbeit mit den Akten angesagt.

 

Die Mandantengespräche waren sehr interessant. Im Grunde waren die Angeklagten Menschen wie Du und Ich. Durch die Gespräche konnte man hinter so manche Fassade blicken und die Beweggründe und Motive viel besser verstehen, wenn auch nicht immer akzeptieren.
Der Besuch von Verhandlungen war anfangs auch sehr spannend. Jedoch hatte ich gegen Ende kaum mehr die Motivation fast jeden Tag vor Gericht zu müssen. Manche Verhandlungen zogen sich sehr dahin. Was mir daran sehr viel Spaß bereitete, war, dass Herr Schulze auf dem Weg zum Gericht (Herr Schulze verhandelte nicht nur in Bielefeld, sondern auch außerhalb) immer meine Verteidigungsstrategie in genau diesem Fall wissen wollte. Ich sollte davor natürlich immer die Akten lesen und mir dazu einiges erarbeiten. Nach der Verhandlung wurde diese im Gespräch evaluiert. Hätte ich irgendwas anders gemacht? Wieso hat der Richter entschieden, wie er entschieden hat? Wie fand ich das Plädoyer des Staatsanwaltes?
Bei der Verbraucherberatung war ich zweimal dabei. Interessant fand ich, dass die meisten Fälle eine Abmahnung aufgrund des Streamens von Filmen und Serien im Internet zum Gegenstand hatten.
Die Vollzugsanstalten waren auch sehr interessant. Allein die Sicherheitsmaßnahmen, die getroffen wurden, als wir hinein und hinaus sind.

Hauptbestandteil war aber die Arbeit mit den Akten. Das bedeutete nicht nur diese zu lesen, sondern auch Auffälligkeiten raus zu schreiben und gewisse Dinge zu recherchieren. Wo widersprechen sich die Aussagen der verschiedenen Zeugen? Gab es dazu schon Rechtsprechung? Welche Verteidigungsstrategie ist wohl die beste?

 

Auch wenn ich schlussendlich festgestellt habe, dass der Beruf des Rechtsanwaltes nichts für mich ist, waren die sechs Woche eine Zeit, in der ich viel gelernt habe. Sechs Wochen Praktikum bei einem Anwalt beantworten sogar die oft auftauchende Frage: Wie kann man so einen Menschen verteidigen?


In meinem Praktikum hatte ich sehr viel Freiraum, was nicht bedeutet, dass ich nur zwei Tage die Woche da war, sondern, dass ich sehr viele Möglichkeiten hatte es selbst zu gestalten. Ich hatte immer mehrere Optionen. Und wenn ich einen Tag gebraucht habe, weil ich am Lehrstuhl arbeiten musste oder ähnliches, hat Herr Schulze mir ohne weiteres frei gegeben. War nichts los, konnte ich auch schon früher nach Hause. Es ist nie vorgekommen, dass ich nichts zu tun hatte und einfach nur meine Zeit absitzen musste.

 

Bei den meisten Rechtsanwaltspraktika muss man nur so viel machen, wie man auch machen möchte. Ich empfehle jedem, aus dem Praktikum etwas zu machen.

Denn man lernt eine Menge!

 

Bielefeld, 07.02.14

Verwaltungspraktikum bei den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, Bielefeld

Ich, Franziska, habe mein erstes Praktikum nach dem 3. Semester (Februar und März) bei den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, in Bielefeld, gemacht.

Dank der Auskunft des JPA Hamm wird mir dieses Praktikum als Verwaltungspraktikum anerkannt, obwohl es sich bei dieser Einrichtung um eine Stiftung des privaten Rechts handelt.

Wie man sieht, nachfragen lohnt sich, denn dann kann man auch bei außergewöhnlicheren Einrichtungen als der Stadt sein Praktikum machen.

 

Empfohlen wurde mir das Praktikum von einer ehemaligen Jurastudentin, die damals selbst bei den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel ihr Praktikum absolviert hatte und sehr zufrieden war. Nach einem kurzen Telefonat im August des Vorjahres und einer E-Mail, mit kurzem Anschreiben und Lebenslauf, bekam ich zwei Wochen später die Zusage. Im Dezember vor Antritt des Praktikums sollte ich zwar noch einmal zu einem Vorstellungsgespräch kommen, aber im Grunde nur, um mir die Arbeitsweise und meine Aufgaben während des Praktikums zu erläutern. Ich hatte also nichts mehr zu befürchten.

Bei diesem Gespräch bot mir der Leiter der Rechtsabteilung auch an, ein Arbeitszeugnis nach den sechs Wochen auszustellen. Sagt immer ja zu solch einem netten und absolut hilfreichen Angebot!

 

Meine Arbeit verlief dann sehr abwechslungsreich. Bethel ist ein sehr großer Komplex mit unternehmerischen Strukturen, indem es so viele Facetten von Recht gibt, dass mir nie langweilig wurde. Hatte ich mal keine Lust auf die Prüfung von Arbeitsverträgen, konnte ich auch ohne Weiteres bei einem anderen der sechs beschäftigten Juristen vorbeischauen und vielleicht mal eine Baumängelbeschwerde oder eine Mietrechtsangelegenheit studieren.

 

Wusste ich mal etwas nicht oder wusste auch nicht, wie ich an die Sache herangehen sollte, standen mir alle Türen für meine Nachfragen offen. Es machte mir sehr viel Spaß und ich zeigte Einsatz, sodass man mir so oft wie möglich auch wichtige Aufgaben übertrug, wie z.B. Telefonate und Besuche von Meetings, in denen ich auch meine eigene Meinung kundtun durfte. Meine Schriftsätze wurden natürlich immer noch vom Leiter der Abteilung überprüft, doch zum Ende hin, übernahm er diese auch gerne und schickte sie mit meinem Wortlaut ab.

Ab und zu gab es auch kleine Flauten, wo sich die Tage hinzogen wie Kaugummi, doch diese Tage konnte ich glücklicherweise an einer Hand abzählen.

 

Anders als bei den klassischen Verwaltungspraktika hatte ich aber ziemlich feste und "lange" Arbeitszeiten. Ich fing morgens um ca. 8 Uhr an und ging (außer freitags) selten vor 16 Uhr. Studientage, wie bei anderen Einrichtungen, habe ich nicht bekommen, vermisste sie aber auch nicht.

 

Im Nachhinein würde ich jedem ein solches Praktikum bei den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel empfehlen und gerne auch selbst noch einmal machen, wenn die Zeit dafür da wäre. Für mein Arbeitszeugnis hat sich die Zeit allemal gelohnt.

 

Bielefeld, 06.02.2014

Neuigkeiten

Unsere Homepage baut sich durch unser Rep auf und ist daher jetzt vollständig!

Das Examen ist geschrieben (!) insgesamt gibt es zwar weniger neue Beiträge, aber wir hören noch nicht auf ;-)

Neuer Blogeintrag

Rubrik eröffnet: Brüssel

Literatur jetzt mit Leseproben

Neues in und um Bielefeld

Eilmeldung

Das JPA Hamm lässt keine Verwaltungspraktika in privat organisierten Institutionen zu, auch nicht wenn sie öffentliche Aufgaben wahrnehmen!

Merkblatt unter Praktikumsberichte

Neuster Stand: Auschwitz-Prozess

Die Nebenkläger verlangen die Ladung eines bereits verurteilten SS-Wachmanns Oskar Gröning, der zur gleichen Zeit wie der Angeklagte in Auschwitz eingesetzt worden war. Dieser könnte mangels Rechtskräftigkeit seines Urteils sich auf ein Aussageverweigerungsrecht stützen.

Weiterhin kündigte die Verteidigung an am 29.04. eine Aussage des Angeklagten zu verlesen.

Es wird ebenso keine Reise in die USA geben um weitere Überlebende zu vernehmen.

 

15.04.2016

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© Franziska Wiesner & Michaela Wördehoff